UNI EN 17235:2024

Technischer Standard für Hersteller von permanenten Verankerungen in der Höhe

UNI EN 17235:2024 – Vollständiger Leitfaden für permanente Verankerungen und Dachhaken

Die europäische Norm UNI EN 17235:2024 ist die maßgebliche technische Referenz für die Bewertung von Verankerungsvorrichtungen und Sicherheitshaken, die dauerhaft an Gebäuden und Bauwerken befestigt werden. Diese Systeme sind so konzipiert, dass sie in die tragende Konstruktion oder die Dachdeckung integriert werden, um Stürze aus der Höhe im Innen- und Außenbereich zu verhindern und aufzufangen.

Im Gegensatz zu früheren Normen bewertet diese Norm die Vorrichtungen nicht als einzelne Komponenten, sondern als komplette Systeme, die auch das spezifische Befestigungssystem für die jeweilige Art der tragenden Konstruktion (Beton, Holz, Stahl usw.) enthalten müssen.

 

Die 4 Kategorien von Rettungssystemen (Sets)

Die Norm klassifiziert Auffangsysteme in vier spezifische Sets und definiert deren Tragfähigkeiten und Konfigurationen:

  • Set A (Einzelankervorrichtung): Dies ist der klassische stationäre Punktanker. Dieses System ist geprüft und zertifiziert, um einen oder zwei Anwender gleichzeitig zu schützen.

  • Set B (Dachsicherheitshaken): Dieser Haken ist für den Schutz von einen oder zwei Anwendern konzipiert und hat eine Doppelfunktion: Neben der Verankerung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) dient er der sicheren Befestigung von Dachleitern und temporären Arbeitsbühnen. Die Norm schreibt strenge Abmessungen für den Haken vor: Die Öffnung muss zwischen 80 mm und 150 mm liegen, die Mindesthöhe beträgt 120 mm. Es ist nicht für die Verwendung mit fest installierten Dachleitern vorgesehen.
  • Kit C (Horizontales Seilankersystem): Ein flexibles, durchgehendes Seilsystem, das maximal 15 Grad von der Horizontalen abweichen darf. Es kann mit Protect für bis zu vier Benutzer gleichzeitig verwendet werden. Die im Kit enthaltenen Gleitwagen ermöglichen es den Anwendern, Zwischenanker zu passieren, ohne sich vom Seil lösen zu müssen.
  • Kit D (Horizontales Ankersystem auf Schiene): Starres Schienensystem, ebenfalls mit einer maximal zulässigen Neigung von 15 Grad und für bis zu vier Anwender ausgelegt. Wie Kit C gewährleistet es ein sicheres, kontinuierliches Gleiten über die Ankerpunkte hinaus.

CE-Kennzeichnung: Was ändert sich wirklich?

Erstmals können fest installierte Anker die CE-Kennzeichnung erhalten. Dies bedeutet:

  • Einheitliche Kriterien in ganz Europa

  • Höhere Zuverlässigkeit bei der Produktauswahl

  • Freier Verkehr auf dem europäischen Markt

Achtung:Die Norm ist nicht rückwirkend: Bereits installierte Systeme müssen nicht angepasst werden.

Harmonisierungsdatum: 9. Februar 2025
Ende der Übergangsfrist: 9. August 2027

Widerstandsklassen: Auslegung basierend auf der Nutzung

Die Norm führt Leistungsklassen basierend auf der Anzahl der Bediener ein:

  1. Klasse 1 → 1 Benutzer
  2. Klasse 2 → 2 Benutzer
  3. Klasse 3 → 3 Benutzer
  4. Klasse 4 → 4 Benutzer

Mehr Benutzer = höhere Belastungen = strengere Anforderungen. Es geht nicht mehr nur darum, das Produkt auszuwählen, sondern die richtige Klasse für den jeweiligen Anwendungsfall.

Testmethoden und Sicherheitsanforderungen

Um auf den Markt zu gelangen, müssen die Bausätze strenge physikalische Tests bestehen, die die häufigsten Anwendungsfälle simulieren. Kritische Belastungen (z. B. unterschiedliche Belastungsrichtungen oder maximale Benutzeranzahl) werden direkt auf Modelldächern oder repräsentativen Strukturen getestet.

  • Dynamische Tests (Fallsimulation): Das System muss die Energie absorbieren, die durch den Fall einer 100 kg schweren starren Masse entsteht, die so positioniert ist, dass sie eine Aufprallkraft von 9 kN erzeugt. Bei Mehrbenutzersystemen wird der Test wiederholt, indem nacheinander weitere Massen freigegeben werden, während die vorherigen in der Luft hängen bleiben. Dies simuliert den gleichzeitigen Sturz mehrerer Personen.

  • Bruchlast (Statische Tests): Die Tragfähigkeit des Systems wird unter extremen Belastungen geprüft. Die Norm legt eine Mindestbruchlast von 9,0 kN für einen Benutzer fest, die sich proportional auf 13,5 kN erhöht, wenn das System von nur einer Person verwendet wird. Zertifiziert für 4 Personen.
  • Kontrollierte Verformung: Bestimmte Bauteile unterliegen sehr engen Toleranzen. Beispielsweise darf sich die Basis eines Dachhakens (Kit B) unter Belastung nicht um mehr als 5 mm verformen.
  • Sicherheit in der Anwendung: Bauteile dürfen keine scharfen Kanten oder Grate aufweisen, an denen sich der Benutzer verletzen oder persönliche Schutzausrüstung (Gurtzeug, Verbindungsmittel) beschädigen könnte. Wenn ein Wagen aus der Produktionslinie entfernt werden soll, müssen dafür zwei unterschiedliche, aufeinanderfolgende und bewusste manuelle Aktionen erforderlich sein, um ein versehentliches Lösen zu verhindern. Eine fehlerhafte Montage der Teile darf niemals den Eindruck erwecken, das System sei sicher verriegelt.

Dauerhaftigkeit und Integrität des Gebäudes

Die Norm behandelt auch den Lebenszyklus des Produkts und seine Auswirkungen auf das Gebäude:

  • Korrosionsbeständigkeit: Die Komponenten müssen den Witterungseinflüssen über die Zeit standhalten. Materialien wie Edelstahl, Aluminium, feuerverzinkter Stahl und spezielle organische Beschichtungen oder Schutzanstriche sind zulässig, um eine jahrzehntelange Lebensdauer zu gewährleisten.

  • Wasserdurchlässigkeit: Die Installation dieser Sets (die häufig das Dach durchdringen) darf die Dachabdichtung nicht beeinträchtigen. Dieser Parameter wird gesondert geprüft.

Qualitätskontrolle (AVCP)

Hersteller sind verpflichtet, eine strenge Werkseigene Produktionskontrolle (FPC) einzurichten. Diese umfasst die kontinuierliche Prüfung der eingehenden Materialien, die Kalibrierung der Geräte und die vollständige Rückverfolgbarkeit der gefertigten Komponenten. So wird sichergestellt, dass jeder verkaufte Anker oder Haken die gleiche lebensrettende Leistung wie das im Labor getestete Muster bietet. Die Überwachung durch benannte Stellen erfolgt fortlaufend und beinhaltet jährliche Audits und Stichprobenprüfungen direkt im Werk.

Möchten Sie mehr erfahren? Siehe unsere FAQs

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